Wer bin ich?

Gebürtig bin ich in München, wobei man auf den ersten Blick erkennt, dass ich auch noch andere Wurzeln habe als…“rein“ deutsche?…“arische“…“weiße“…ja, was eigentlich?

Gestern war ich mit meiner Frau Bea im Münchner Südbad, das seit vielen Monaten zum ersten Mal wieder geöffnet hatte – Corona sei Dank -, und wir führten ein Gespräch mit einer Dame, die mit ihrem fröhlichen Kind spielte.

Die Stimmung im ganzen Bad war derart, dass Menschen sichtlich froh waren, wieder unter ihren Artgenossen zu sein und ein spontanes, ungezwungenes Gespräch zu führen. Die Dame mit dunklerer Hautfarbe wirkte auf uns sympathisch, doch recht schnell merkten wir, dass sie es nicht immer „einfach hat“.

Nach wenigen Minuten ging es um große Themen wie Rassismus, „Black Lives Matter“, AfD, Diskriminierung usw. Nach meinem subjektiven Dafürhalten ist Deutschland in den letzten Jahrzehnten weltoffener geworden, wobei ich selber vor 20 Jahren teilweise als „Neger“ oder „Chinese“ bezeichnet wurde (dabei ist meine Hautfarbe leicht bräunlich, würde ich mal behaupten) in einem kleinen bayrischen Dorf mit ca. 500 EinwohnerInnen, das unser neues Zuhause werden sollte.

Mittlerweile finden sich Flüchtlinge in zur Verfügung gestellten Wohnungen aus aller Herren Länder im Dorfzentrum, die Globalisierung ist auch hier angekommen. Doch gibt es heute wieder mehr Rassismus? Ich hoffe nicht, ich glaube es auch nicht – sicher bin ich mir allerdings nicht. Als bekennender Optimist und Idealist sehe ich das Glas aber in der Regel eher halbvoll als halbleer.

Was hat das nun mit der eingänglichen Frage zu tun? Nun, ich bin hier in Deutschland, vorwiegend in Bayern, „Greater Munich“ aufgewachsen, spreche also – Wunder, oh Wunder – fließend Deutsch und werde hin und wieder auch mal auf meine doch so guten Deutschkenntnisse angesprochen.

So wurde mir also sehr regelmäßig der Spiegel vorgehalten, da ich mir durchaus philosophische Fragen nach der eigenen Existenz und Herkunft stellen musste. Immer wieder Antworten zu W-Fragen finden, die mich ausmachten, definieren und bestimmen sollten.

Je nach Kontext sage ich „Munichian“, German-Filipino, Deutscher mit philippinischen Wurzeln, Europäer, Triathlet, Unternehmer, Poker- und / oder Magic-Spieler, was auch immer. Die Labels sind ohnehin immer nur ein sehr fragwürdiger Versuch, sich selbst kategorisieren zu wollen, zu müssen oder meinen zu müssen.

In Anlehnung an Ralph Chans neuesten Artikel im Roots & Wings Online Magazine fühlte ich mich aber wieder einmal inspiriert, ein paar Zeilen zu verlieren zu diesem Themenkomplex. Meine Frau meinte eben nur, dass ich mich wieder einmal mit Identitätsfragen beschäftige, und in der Tat folge ich eingschlägigen Fragen seit vielen Jahren.

Ich glaube, dass ich für mich selbst sehr gute Antworten gefunden habe während der letzten Jahre, insbesondere vor Ort auf den Philippinen und in dem was ich tue, mit meinem Team tun darf. Meine Berufung als Deutsch-Filipino, der in „Greater Munich“ sozialisiert wurde, großer Fan der europäischen Aufklärungsbewegung und Vollblutunternehmer ist es, insbesondere unsere Firmen in Cebu, dem Herzen der Visayas weiter auszubauen, um für einen positiven Wandel zu sorgen.

Seit Kurzem bin ich im Zusammenhang mit Kapwa Marketing auch mit der europäischen Außenhandelskammer in Manila (ECCP) in stärkerem Austausch, und dieses Netzwerk fühlt sich irgendwie gut und richtig an. Auch der Austausch mit anderen Filipin@s, Halbfilipin@s, Halo-Halos, die etwas bewegen und philippinische Kultur sichtbar machen wollen, ist sehr bereichernd und mir wichtig, hilft mir noch besser, mich selbst zu finden und weiter auszudifferenzieren und zu definieren, noch weitere Antworten darauf zu finden, wer ich eigentlich bin.

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